Ein Studium ermöglicht und verbessert den Zugang zu fachlichen Positionen und erlaubt die Übernahme höherer fachlicher Verantwortung, zum Beispiel in der Fallsteuerung im Jugendamt, bei Kinderschutzentscheidungen, in der Hilfeplanung nach dem Achten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) oder in der konzeptionellen Arbeit. Es steigert die Arbeitsplatzsicherheit durch die Breite der Einsatzfelder sowie durch die Entwicklungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten.
Nicht alle Studiengänge laufen klassisch im Vollzeit-Präsenzstudium. Gerade für Quereinsteigende gibt es heute mehrere Modelle.
1. Präsenzstudium (Vollzeit)
Struktur: Studium an der Hochschule mit festen Vorlesungszeiten.
Vorteile
- klare Struktur
- intensiver Kontakt zu Lehrenden und Kommiliton*innen
- häufig gute praktische Einbindung
Nachteile für Quereinsteigende
- kaum Vereinbarkeit mit Erwerbs- oder Caretätigkeit
- schwierig mit Familie oder Schichtarbeit
- finanzielle Belastung ohne volles Einkommen
2. Berufsbegleitendes / praxisintegrierendes Studium
Struktur: Studium neben dem Beruf, oft Abendveranstaltungen oder Blockseminare, ggf. mit Online-Optionen.
Vorteile
- Einkommen bleibt erhalten
- direkte Verbindung von Theorie und Praxis
- ideal für Quereinsteigende in der Jugendhilfe
Nachteile
- hohe Doppelbelastung (Arbeit + Studium)
- ggf. längere Studiendauer
- hohe Selbstorganisation nötig
3. Duales Studium
Struktur: Wechsel zwischen Hochschule und Praxisstelle, meist vergütet.
Vorteile
- sehr praxisnah
- finanzielle Absicherung
- gute Übernahmechancen beim Träger
Nachteile
- hoher Organisationsdruck
- starke Bindung an einen Träger
- weniger Flexibilität
- bei Abbruch des Studienvorhabens ggf. Rückzahlung an den Träger
- wenig Spielraum zur kritisch-reflexiven Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber
4. Fernstudium / Online-Studium
Struktur: Lernen überwiegend online, wenige Präsenzphasen (Prüfungen/Seminare).
Vorteile
- maximale Flexibilität
- gut kombinierbar mit Arbeit und Familie
- ortsunabhängig
Nachteile
- hohe Selbstdisziplin notwendig
- weniger direkter Austausch
- Gefahr der Isolation
- eigenständige Strukturierung sehr wichtig
5. Studienorganisation und Modularisierung
Ein Studium ist in Module organisiert. Ein abgeschlossenes Modul bleibt dauerhaft erhalten: Es kann beispielsweise nach einem Studienabbruch in einem neuen Studiengang bei gleichem Kompetenzniveau auf Anerkennung geprüft werden. Gerade bei knapper Zeit empfiehlt es sich daher, modulabschließend zu studieren. Das ermöglicht eine flexible Zeiteinteilung, je nach verfügbarer Kapazität kann das Studium gestreckt werden. Gerade neben dem Beruf gilt: Der Weg ist das Ziel. Wie Anerkennung und Anrechnung im Einzelnen funktionieren, erklärt der Artikel „Wie funktionieren Anrechnung und Anerkennung gleichwertiger Leistungen?"
6. Herausforderungen eines Studiums neben Arbeit und Familie
Für Quereinsteigende ist die größte Hürde oft nicht der Inhalt, sondern die Organisation des Alltags. Typische Herausforderungen sind:
- Zeitmanagement zwischen Job, Studium und Familie
- finanzielle Belastung
- Lernphasen nach einem Arbeitstag
- Prüfungsstress
- fehlende Erholungszeiten
- Vereinbarkeit mit Schichtdiensten in der Jugendhilfe
- mentale Belastung durch Mehrfachrollen
Viele berichten, dass besonders die ersten Semester eine Umstellung sind, weil wissenschaftliches Arbeiten, Hausarbeiten, Literaturarbeit, Theorieverständnis, neu ist. Was Sie im Studium erwartet und worin sich wissenschaftliches Lernen von schulischem unterscheidet, beschreibt der Artikel „Wissen, Können, Haltung".
Zum Nachlesen
- Was ist ein Studium – und warum lohnt es sich in der Kinder- und Jugendhilfe?
- Wie funktionieren Anrechnung und Anerkennung gleichwertiger Leistungen?
- Mit welchen Maßnahmen gelingt Vereinbarkeit?
- Wie kann ich meinen Quereinstieg finanzieren?
- Wie erwerbe ich die Staatliche Anerkennung in Niedersachsen?
- Zur Studiengangsmatrix – dort lassen sich Studienformate gezielt filtern
- Standorte: Niedersachsen-Karte
Rechtliche Grundlagen
- Niedersächsisches Hochschulgesetz (NHG): Studienorganisation, Anerkennung und Anrechnung. → Rechte, Ordnungen, Erlasse
- Verordnung über die staatliche Anerkennung von Berufsqualifikationen auf dem Gebiet der Sozialen Arbeit, der Heilpädagogik und der Bildung und Erziehung in der Kindheit (SozHeilKindVO), Niedersachsen: Staatliche Anerkennung im Anschluss an das Studium. → Rechte, Ordnungen, Erlasse

