Wissen, Können und Haltung – was professionelle Soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ausmacht

Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, braucht mehr als Engagement und Lebenserfahrung. Professionelle Soziale Arbeit entsteht dort, wo Wissen, Können und Haltung zusammenwirken.

Wer mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, braucht mehr als Engagement und Lebenserfahrung. Professionelle Soziale Arbeit entsteht dort, wo Wissen, Können und Haltung zusammenwirken. In den Fachdiskursen der Sozialen Arbeit in Deutschland gelten diese drei Bereiche als zentrale Grundlagen professionellen Handelns, besonders in der Kinder- und Jugendhilfe (vgl. Schoneville/Kruse/Thole 2010: 34).

1. Wissen: Die fachliche Grundlage

Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten in komplexen Situationen. Sie begleiten junge Menschen in ihrer Entwicklung, unterstützen Familien, schützen Kinder vor Gefährdungen, verantworten pädagogische Maßnahmen und gestalten Bildungs- und Beteiligungsprozesse. Dafür braucht es fundiertes Fachwissen. Dazu gehören beispielsweise Kenntnisse über:

  • Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
  • Kommunikation und Beziehungsgestaltung
  • psychische Belastungen und Trauma
  • Kinderschutz und Kinderrechte
  • Diversität und Inklusion
  • rechtliche Grundlagen, insbesondere das SGB VIII
  • Methoden der Sozialen Arbeit und Pädagogik

Wissen hilft Fachkräften dabei, Situationen professionell einzuschätzen und begründete Entscheidungen zu treffen. Wer beispielsweise versteht, wie sich belastende oder traumatische Erfahrungen auf Verhalten auswirken können, bewertet aggressives oder zurückziehendes Verhalten anders und kann angemessener reagieren.

In den aktuellen Professionalisierungsdebatten wird immer wieder betont, dass Soziale Arbeit wissenschaftlich fundiertes Wissen braucht und nicht allein auf Erfahrung oder Intuition beruhen kann. Gleichzeitig verändert sich die Kinder- und Jugendhilfe ständig. Themen wie mentale Gesundheit, Digitalisierung, Armut, Flucht oder gesellschaftliche Vielfalt stellen neue Anforderungen an Fachkräfte.

2. Können: Wissen in Handlung umsetzen

Fachwissen allein reicht jedoch nicht aus. Professionelle Soziale Arbeit zeigt sich vor allem darin, Wissen in konkreten Situationen anwenden zu können. Dieses praktische Handlungswissen wird häufig als professionelles Können beschrieben. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Gespräche führen und Beziehungen gestalten
  • Konflikte deeskalieren
  • Gruppen begleiten
  • Krisen einschätzen und handeln
  • Beteiligung ermöglichen
  • Ressourcen erkennen und fördern
  • mit Eltern, Schulen und Behörden kooperieren
  • auch unter Stress professionell bleiben

Gerade in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entstehen oft Situationen, die sich nicht nach Lehrbuch lösen lassen. Fachkräfte müssen spontan reagieren und gleichzeitig reflektiert handeln. Professionelles Können bedeutet deshalb nicht nur „machen", sondern begründet und situationsangemessen handeln zu können.

Dieses Können entwickelt sich vor allem durch Praxis, Anleitung, Teamarbeit und Supervision. Viele Fähigkeiten wachsen mit Erfahrung, besonders im Umgang mit Konflikten, Krisen oder belastenden Situationen.

3. Haltung: Das Fundament professionellen Handelns

Neben Wissen und Können ist die professionelle Haltung ein zentraler Bestandteil Sozialer Arbeit. Haltung beschreibt die Werte, Menschenbilder und Grundüberzeugungen, mit denen Fachkräfte Kindern, Jugendlichen und Familien begegnen. In der Kinder- und Jugendhilfe bedeutet professionelle Haltung unter anderem:

  • Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen
  • ihre Rechte und ihre Würde zu achten
  • ressourcenorientiert statt defizitorientiert zu arbeiten
  • Vielfalt anzuerkennen und die eigenen normativen Prägungen und Perspektiven kritisch zu hinterfragen
  • Beteiligung zu ermöglichen
  • reflektiert mit Macht und Verantwortung umzugehen
  • auch in schwierigen Situationen respektvoll zu bleiben

Haltung zeigt sich nicht nur in großen Entscheidungen, sondern vor allem im Alltag: Wie spreche ich mit Jugendlichen? Höre ich zu? Wie setze ich Grenzen? Wie gehe ich mit Konflikten oder Widerstand um?

In den Fachdiskursen wird professionelle Haltung deshalb als Grundlage pädagogischen Handelns verstanden. Auch ethische Fragen spielen dabei eine wichtige Rolle: Fachkräfte arbeiten mit Menschen in verletzlichen Lebenssituationen und tragen Verantwortung für Schutz, Beteiligung und soziale Teilhabe.

4. Warum Wissen, Können und Haltung zusammengehören

Wissen, Können und Haltung lassen sich in der Praxis nicht voneinander trennen. Sie greifen ineinander und ergänzen sich gegenseitig.

Wer viel Wissen hat, aber keine wertschätzende Haltung, wird jungen Menschen oft nicht gerecht. Wer empathisch ist, aber kein fachliches Wissen besitzt, kann Risiken möglicherweise nicht richtig einschätzen. Und wer theoretisch gut ausgebildet ist, braucht dennoch praktische Fähigkeiten, um im Alltag handlungsfähig zu sein.

Professionelle Soziale Arbeit entsteht deshalb immer im Zusammenspiel dieser drei Bereiche. Genau aus diesem Grund sind Ausbildung, Studium, Praxisanleitung und Weiterbildung so wichtig. Sie helfen dabei, Fachwissen aufzubauen, praktische Kompetenzen zu entwickeln und die eigene Haltung zu reflektieren.

Gerade Quereinsteigende bringen häufig bereits wertvolle Erfahrungen und Fähigkeiten mit. Eine Qualifizierung in der Kinder- und Jugendhilfe ermöglicht es, diese Erfahrungen mit fachlichem Wissen und professionellen Methoden zu verbinden, siehe „Was ist ein Studium, und warum lohnt es sich in der Kinder- und Jugendhilfe?" So entsteht die Grundlage dafür, Kinder und Jugendliche sicher, respektvoll und entwicklungsfördernd begleiten zu können.

Zum Nachlesen

Rechtliche Grundlagen

Für diesen Artikel liegen keine unmittelbar einschlägigen Rechtsnormen vor, da er fachliche und ethische Grundlagen professionellen Handelns behandelt, nicht deren rechtliche Regelung.

Verwendete Quellen

  • Großmaß, Ruth (2023): Ethik der Sozialen Arbeit. socialnet Lexikon (Zugriff: 15.06.2026)
  • Schachameier, Armin (2024): Können sichtbar machen: ein Transfermodell für Lehre und Forschung. socialnet Materialien (Zugriff: 15.06.2026)
  • Schoneville, Holger/Kruse, Elke/Thole, Werner (2010): Herausforderung Studium: Zwischen Unübersichtlichkeit und Möglichkeitsraum. In: Sozial Extra, Jg. 34, H. 9/10, S. 32–36
  • von Spiegel, Hiltrud (2021): Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit. Grundlagen und Arbeitshilfen für die Praxis. 6. Aufl. Stuttgart: UTB, S. 88
  • Wagner, Leonie/Domes, Michael (2020): Haltung (Gesinnung). socialnet Lexikon (Zugriff: 15.06.2026)
  • Werner, Sven (2019): Professionalität. socialnet Lexikon (Zugriff: 15.06.2026)
Persönliche Beratung

Sie finden Quereinstieg kompliziert?

Das liegt nicht an Ihnen, wir finden individuelle Lösungen.

Kontaktieren Sie uns via Mail oder telefonisch

karriere-kinderjugendhilfe-nds@hawk.de
05531/126-246
Antje Krog
Antje Krog

Leitung Beratungsstelle

karriere-kinderjugendhilfe-nds@hawk.de
05531/126-246
Prof. Dr. Alexandra Engel
Prof. Dr. Alexandra Engel

Projektleitung

alexandra.engel@hawk.de
+49/5531/126-192