Was ist ein Studium – und warum lohnt es sich in der Kinder- und Jugendhilfe?

Fachliche Sicherheit, mehr Verantwortung, bessere Aufstiegschancen: Was ein Studium konkret bringt – und was es kostet.

1. Was ein Studium ist

Jens Pothmann beschreibt in einem Videostatement, warum diese Arbeit „sinnstiftend" ist.

Ein Studium ist eine wissenschaftlich fundierte berufliche und persönliche Qualifizierung an einer Hochschule, zum Beispiel an einer Universität oder an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (manche sagen auch noch Fachhochschule dazu). Ein Studium vermittelt nicht nur, wie man etwas macht, sondern auch, wie soziale Prozesse funktionieren und wie professionell begründete Entscheidungen getroffen werden.

Für die Kinder- und Jugendhilfe sowie die Eingliederungshilfe ist das Studium besonders relevant, weil hier komplexe soziale, rechtliche und psychologische Situationen zusammenkommen. Typische Studiengänge sind zum Beispiel:

  • Soziale Arbeit, mit oder ohne staatliche Anerkennung
  • Kindheitspädagogik mit staatlicher Anerkennung
  • Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Sozialpädagogik

Warum die Staatliche Anerkennung dabei den entscheidenden Unterschied macht und in welchen Arbeitsfeldern sie vorausgesetzt wird, erklärt der Artikel „Warum braucht es die Staatliche Anerkennung?"

2. Warum sich ein Studium lohnt

Ein Studium lohnt sich vor allem dann, wenn langfristig in der Kinder- und Jugendhilfe oder Eingliederungshilfe gearbeitet werden soll und mehr Verantwortung übernommen werden möchte.

Mehr fachliche Sicherheit

Im Studium wird gelernt, wie …

  • Entwicklungsprozesse bei Kindern und Jugendlichen verlaufen
  • psychische Belastungen entstehen und wirken
  • Kinderschutz professionell eingeschätzt wird
  • rechtliche Entscheidungen getroffen werden
  • Hilfesysteme gesteuert werden
  • das eigene Handeln bewusst reflektiert wird

Höhere Verantwortungsstufen

Mit einem Studium wird häufiger übernommen:

  • Fallverantwortung im Jugendamt (ASD)
  • Hilfeplanung nach SGB VIII
  • Beratung komplexer Familiensysteme
  • Kinderschutzentscheidungen
  • konzeptionelle Arbeit in Einrichtungen

Bessere Karriere- und Aufstiegschancen

Viele Leitungs- und Fachstellen sind an ein Studium gekoppelt, z. B.:

  • Jugendamt (ASD, Kinderschutz)
  • Leitung sozialer Einrichtungen
  • Fachberatung
  • Schulsozialarbeit
  • Eingliederungshilfe (Fallsteuerung, Koordination)

Höheres Einkommen (tariflich abgesichert)

Studienabschlüsse führen in der Regel zu höheren Eingruppierungen im TVöD SuE (z. B. S 11b bis S 14 oder höher).

3. Die besondere Bedeutung von Praxisphasen im Studium

Ein zentrales Element in fast allen Studiengängen der Sozialen Arbeit und angrenzenden Feldern sind angeleitete Praxisphasen oder die Reflexion der bestehenden beruflichen Praxis.

  • Verbindung von Theorie und Praxis: In Praxisphasen wird gelernt, wie sich theoretische Konzepte im Alltag zeigen, wie Hilfeplanung wirklich funktioniert, wie Teams in Wohngruppen arbeiten und wie Jugendämter Entscheidungen treffen.
  • Professionelle Anleitung: Praxisphasen sind nicht „nur Arbeit", sondern begleitet durch erfahrene Fachkräfte, reflektiert in Supervision oder Praxisanleitung und Teil der Hochschulausbildung.
  • Berufliche Orientierung: Viele finden in den Praxisphasen heraus, welches Arbeitsfeld zu ihnen passt – ob Jugendamt, Wohngruppe oder Beratung geeigneter ist und welche Spezialisierung sinnvoll ist.
  • Einstieg in Netzwerke: Praxisphasen führen oft zu späteren Arbeitsstellen, Kontakten zu Träger*innen und dem Einstieg in bestimmte Fachbereiche.

4. Was ein Studium kostet

Staatliche Studiengänge sind kostenfrei, mit Ausnahme von Weiterbildungsstudiengängen, es wird lediglich eine Verwaltungsgebühr pro Semester fällig. Weiterbildungsstudiengänge oder ein Studium an einer privaten Hochschule sind in der Regel kostenpflichtig. Bei einem früheren Studium können Langzeitstudiengebühren anfallen, dazu beraten die Immatrikulationsämter der Hochschulen. Aufwendungen für ein Studium können steuerlich abgesetzt werden (§ 9 Einkommensteuergesetz). Welche Förderungen darüber hinaus in Frage kommen, lesen Sie im Artikel „Wie kann ich meinen Quereinstieg finanzieren?"

5. „Ich habe so lange nicht mehr gelernt, ich weiß nicht, ob ich das schaffe …"

Ein Studium der Sozialen Arbeit hat mehr Praxisbezug als oft erwartet. Themen können so gewählt werden, dass Fragen bearbeitet werden, die in der alltäglichen Praxis relevant sind. Das Studium kann genutzt werden, um Dinge zu durchdenken und zu verbessern, für die im Arbeitsalltag bislang keine Zeit war. Wissenschaftliches Arbeiten wird dabei Schritt für Schritt erlernt. Aufregung vor Prüfungen ist normal und schärft die Aufmerksamkeit, wer jedoch unter ausgeprägter Prüfungsangst leidet, findet bei den Studierendenwerken Seminare und Beratungsangebote.

6. Studienformate sind vielfältig, und mit Beruf und Familie vereinbar

Unter den auf dieser Plattform gelisteten Studiengängen finden sich auch berufsbegleitende Modelle, Teilzeitmodelle sowie Angebote mit Online- oder hybrider Lehre, siehe „Wie kann ich studieren?" In allen Studiengängen und Studienformen können Sie Anträge auf Anerkennung oder Anrechnung bereits erworbener Qualifikationen stellen, das verkürzt das Studium oft erheblich, siehe „Wie funktionieren Anrechnung und Anerkennung gleichwertiger Leistungen?"

Individuelle Beratung ist jederzeit möglich, jede Hochschule bietet eine Studienberatung an. Über den Hochschulzugang informiert www.studieren-in-niedersachsen.de. Tipp: Nutzen Sie die Merkmale der Suchfilter, um konkrete Angebote in Niedersachsen zu finden.

Zum Nachlesen

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